Warum es den einen, einzig wahren Führungsstil nicht gibt…

Wir leben in einer Welt, die höchsten Wert auf Individualität legt. Jeder Mensch ist besonders und eine unverwechselbare Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen. Jeder Mensch ändert sich zudem im Lauf seines Lebens und aus dem zögerlichen Azubi wird ein Mitarbeiter, der sicher und zügig Entscheidungen trifft. Den „einen, einzig wahren“ Führungsstil, der für alle und alles passt, kann es daher nicht geben.

Der passende Führungsstil orientiert sich am Reifegrad des Mitarbeiters und passt sich flexibel an Situation und Mensch an. Das macht es für Führungskräfte nicht einfach, denn es verlangt höchste Flexibilität und ein umfangreiches Verhaltensrepertoire. Aber wer das schafft, wird belohnt durch motivierte und loyale Mitarbeiter. In meiner Praxis sehe ich mich immer wieder bestätigt, dass sich die Mitarbeiter durch situatives Führungsverhalten wirklich verstanden fühlen.

Situativ führen zu können, ist ein Handwerk, das gelernt werden kann. Was zählt, ist der Wille, sich intensiv mit den Fähigkeiten und Eigenschaften der Mitarbeiter zu beschäftigen. Dazu braucht man Empathie und ehrliches Interesse.

Reicht Fachkompetenz aus, um Mitarbeiter zu führen?

Fachwissen hat in Deutschland hohes Ansehen. Experten, am besten mit Promotion, haben einen Trust-Bonus. Aber: Reicht Fachkompetenz aus, um Mitarbeiter zu führen?

Zwar ist Fachwissen unverzichtbar für die untere Führungsebene, um Fortschritte in Projekten zu verstehen, den Output zu beurteilen und um Denkanstöße für neue Ansätze zu geben. Doch bereits für die mittlere Führungsebene und definitiv für das Top-Management verschieben sich die Schlüsselqualifikationen. Quer über alle Ebenen bleibt eine Fähigkeit gleich: die zur sozialen Kompetenz und Persönlichkeit.

In der Praxis musste ich oft feststellen, dass es Führungskräften an Know-how und Erfahrung mangelt, was Mitarbeiterführung bedeutet und wie man sie umsetzt. Kontrolle und Top-down-gesteuerte Arbeitsanweisungen sind immer noch weit verbreitet. Der Kicker im Foyer, der Obstkorb in der Kaffeeküche, die Grillfeier auf der Dachterrasse oder das Feng-Shui-Büro sind eben nicht die Kriterien für gute Mitarbeiterführung.

Menschen lassen sich nicht über einen Kamm scheren – für manche Mitarbeiter ist Vertrauen wichtig und dass sie beim Arbeiten möglichst freie Hand haben, andere fühlen sich in vorgegebenen Prozessen wohl und können nur so ihr volles Potenzial ausschöpfen.

Ich möchte Führungskräfte zu mehr „Sozialkompetenz“ ermutigen, denn meine Praxiserfahrungen zeigen, dass sie mit dieser Haltung einen Ort schaffen, an dem Menschen gern und motiviert arbeiten.